Kolumbien im falschen Licht

Ganze 4.5 Monate habe ich nun in Kolumbien verbracht. Es hat mich einfach gefesselt.
Viele denken Kolumbien sei gefährlich und völlig verdrogt. Aber das ist nicht so. Dieses Land wird immer wieder in ein falsches Licht gerückt von den Medien und Hollywoodfilmen.
Natürlich gibt es Kriminalität, genau wie in jedem anderen Land der Welt auch. Wie überall muss man vorsichtig sein. Vor allem in den grossen Städten oder an touristischen Orten. Aber es gibt so viele Plätze an denen man total sicher ist und die Leute schon fast beleidigt sind wenn man sie fragt ob es hier gefährlich sei. Grösstenteils habe ich mich wirklich sicher gefühlt.
Auch das mit den Drogen sehe ich nun ganz anders. Es ist nicht Kolumbien das die meisten Drogen der Welt produziert. Es sind die Guerillas, Privatarmeen die im Jungle leben und ihre eigenen Gesetze haben. Fast alles Geld welches mit den Drogen verdient wird fliesst wieder in den Drogenkrieg um Waffen zu kaufen. Die Bevölkerung hat nichts davon, im Gegenteil, sie leiden sehr darunter. Ich habe so viele Kolumbianer kennengelernt die noch nie Drogen ausprobiert haben. Es sind meist die Touristen welche die meisten Drogen konsumieren.
Kolumbien hat eine harte Vergangenheit aber es hat sich viel geändert und gebessert und sie sind auf dem besten Weg ein neues Land zu werden. Und hier glauben hier alle fest daran. Das ist toll zu sehen. Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben aber verstehen tut man das Land erst wenn man es selbst besucht hat.
Also los….

Es ist ein so wunderschönes, riesengrosses und vielfältiges Land, wie ich es noch nie erlebt habe.
Ich habe 46 Ortschaften besucht und in über 170 Stunden ca. 7200 km im Bus zurückgelegt und unglaublich viele tolle Menschen kennen gelernt. Die Kolumbianer sind ein so tolles, herzliches und fröhliches Volk. Auch Menschen die fast nichts, nur das Nötigste zum Leben haben wirken stets glücklich und legen eine riesige Lebensfreude an den Tag.
Ich habe mich wirklich etwas in das Land und die Menschen verliebt und es fällt mir sehr schwer zu gehen…

066_0068 Colombia - Penon de Guatapé

9. Oktober 2015 – Ciao Colombia

Nach acht Stunden genialer Busfahrt durch den riesigen Canyon des „Rio Cauca“
064_0213 Colombia - Fahrt nach Ipiales
kam ich in „Ipiales“, meiner letzten Station in Kolumbien an. Dort besichtigte ich am nächsten Morgen die unglaublich schöne und spektakuläre Wahlfahrtskirche „Las Lajas Sanctuary“ welche zur schönsten Kirche der Welt gewählt wurde und das auch zu recht. Das einzige was mich etwas stört ist, das man kein schlaues Foto machen kann, ohne dass irgendwelche Stromleitungen oder Stahlseile im Weg sind, wie bei vielen Sehenswürdigkeiten in Kolumbien. Aber sonst ist dieses majestätische Bauwerk einfach umwerfend.
065_0014 Colombia - Ipiales - Santuario de las Lajas
Danach fuhr ich mit einem Taxi ich zu Grenze, welche man zu Fuss über eine Brücke überquert.

Ciao Colombia.
Ich werde Dich vermissen und ganz bestimmt eines Tages zurückkehren.

6. Oktober 2015 – Gräber eines Urvolkes

In „Popayan“ angekommen plante ich sofort den nächsten Trip, da ich die verbleiben Tage in Kolumbien optimal nutzen wollte.
Diesmal erklomm ich nach 3.5 Stunden Schlaf zuerst den „Vulkan Puracé“. Kaum aus dem Bus gestiegen, traf ich einen Mexikaner und einen Venezolaner, welche mit einem Guide unterwegs zum Krater waren. Ich schloss mich ihnen an. In drei Stunden ging es bei strömendem Regen hoch bis auf 4740m.ü.M. Zum Glück stellte der Regen kurz ab und der Nebel öffnete sich für ein paar Fotos.
064_0075 Colombia - Volcan Puracé
Dann musste man wieder zwei Stunden nach unten wandern.
Weiter ging es nach „San Agustin“. Eine sehr nette kleine Stadt um die herum es viele Gräber und Steinfiguren eines längst ausgestorbenen Urvolkes zu besichtigen gab. Sehr interessant.
064_0107 Colombia - San Agustin
Zufällig war Samstagabend und ich begab mich mit der Reisegruppe dieses Tages, den beiden Schweizerinnen Stephi und Anja (Ost CH) und den Schweden Jungs Johan und Mikael ins wirklich kleine Nightlife von „San Agustin“ Nach längerem Suchen fanden wir dann den einzigen Schuppen der so eine Art Disco mit Livemusik war. Wir lernten viele Einheimischen kennen und es wurde ein super lustiger Abend mit viel „Aguardiente“ und Tanzen.
Am nächsten Morgen um 6.00 musste ich dann nach 2.5 Stunden Schlaf auf den Bus Richtung „Tierradentro“ Den einzigen Direktbus verpasste ich natürlich um 5min. Deshalb musste ich mit engen Bustaxis von Ortschaft zu Ortschaft fahren und schlief des Öffnern mal, angelehnt an der Schulter eines älteren, deutschen Herrn ein. Haha. Das hatte aber auch sein Gutes, denn so hatte ich in der Non-Touri-Stadt „La Plata“ einen dreistündigen Aufenthalt und erkundete das treiben der Einheimischen dort. Dort gehören anscheinend Ross und Wagen zum Standartfortbewegungsmittel. War sehr interessant.
064_0131 Colombia - La Plata
Mit dem Jeep ging es dann über holprige Sandstrassen hoch nach „Tierradentro“, mein nächstes Ziel.
Ein Dorf bestehend aus ca. 20 Häuschen und einem Museum ohne Internet oder Handyempfang. Am nächsten Tag machte ich eine Wanderung mit einem Kolumbianischen Paar, dass ich am Vorabend bei Burger und Bier kennengelernt hatte. Eine super schöne Gegend mit vielen Gräbern eines Urvolkes und tollen Aussichtspunkten.
064_0156a Colombia - Tierradentro
Am darauffolgenden Tag stand dann mein letztes Ziel dieser Rundreise an, „Silvia“ ein kleines Dorf welches genau an diesem Tag bekannt für seinen riesigen Markt der dortigen Ureinwohner, welche im an diesem Tag aus ihrem Reservat kommen um sich da zu treffen. War sehr interessant. Vor allem da es verboten war Fotos von den Leuten in ihren blauen Umhängen und schwarzen Hüten zu machen, da sie sonst ihre Seele verlieren würden.
064_0191 Colombia - Silvia
Nach durchstöbern des Marktes und etwas Wandern um das Dorf herum ging es per Bus wieder zurück nach „Popayan“ für eine Nacht, bevor es weiter Richtung Grenze zu Ecuador ging

29. September 2015 – Salsa in Cali

Nach dem Hiking-Abenteuer ging es mit dem Bus wieder Mal in eine Grossstadt. „Cali“ die Stadt des Salsa, die wohl berühmteste Stadt in Kolumbien um Salsa zu tanzen.
Die Stadt an sich hat mir nicht so gut gefallen. Es ist sehr heiss, trocken und dreckig. Aber trotzdem sehr interessant. Abends war dann Salsa angesagt und es ist wirklich erstaunlich wie die Menschen da den Salsa leben. Es wird wie wild pausenlos bei enormer Hitze in den Clubs getanzt, als ob es kein Morgen gäbe. Ich fand sogar Leute welche in Gruppen Instrumente mitgebracht hatten und die Musik lautstark unterstützen. Cool.
Am Sonntag machte ich noch einen Tagesausflug nach „San Cipriano“ im Jungle neben „Cali“.
Nach drei Stunden Busfahrt steigt man in „Cordoba“ aus. Von da gibt es nur einen Weg in den Jungle und zwar über die Schienen einer für nur industriell genutzte Eisenbahn. Dafür haben die Menschen da kleine Holzvehikel mit Stahlrädern und integriertem Motorrad gebaut.
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Der Fahrer rast dann mit beängstigender Geschwindigkeit über die Schienen in den Jungle hinein. Die Gäste sitzen auf knarrenden Holzbänken. Man muss immer bereit sein abzuspringen, denn diese Gefährte machen wirklich keinen allzu sicheren Eindruck. Trotzdem ist es das Highlight des Tages. Selten ist der Adrenalinspiegel so hoch 🙂
063_0015 Colombia - San Cipriano
Im Jungle angekommen kann man wandern, im Fluss baden oder sich in Traktor-Schläuchen den Fluss herunter treiben lassen und einige Biere schlürfen.
Später ging es dann wieder mit halsbrecherischer Geschwindigkeit zurück in die Zivilisation. Mit dem Taxi muss man dann nach „Buenoventura“ um da den Bus nach „Cali“ zu erwischen.
Ha. So habe ich es doch noch einmal an die Pazifikküste Kolumbiens geschafft.
Nach diesem intensiven Wochenende verliess ich „Cali“ dann mit dem Bus Richtung „Popayan“

24. September 2015 – Salento – Los Nevados

Ich reiste mit dem Bus nach „Salento“, eine kleine sehr hübsche Stadt im Süden Kolumbiens. Es ist zwar sehr touristisch, trotzdem sind die Eingeborenen aber sehr freundlich und grüssen einem immer auf der Strasse. Von da aus startete ich eine Zweitageswanderung in das Gebirge von „Los Nevados“ auf eigene Faust, Richtung „Tolima Vulkan“. Morgens um 6.00 ging ich los und liess mich mit dem „Willy“ Jeep (vollgestopft mit Leuten) nach „Valle de Cocora“ fahren und von da ging es zu Fuss weiter. Ca. eine Stunde wanderte ich auf dem bekannten Touri-Rundgang. Dann verliess ich diesen. Unterwegs traf ich zwei Jungs die ich vom Hostel kannte, welche mit einem Guide unterwegs auf den Vulkan waren. Da ich nur zwei Tage Zeit habe und keine Kletterausrüstung mit dabei habe, kommt das für mich nicht in Frage. Ich schloss mich ihnen aber trotzdem an. Wir wanderten den ganzen Tag weit ins Gebirge hoch, bis zur letzten Übernachtungsmöglichkeit vor dem Vulkan. Ein kleiner Bauernhof mit einigen Matratzen und Wolldecken.
062b_0005 Colombia - Salento - Los Nevados
Abends sass man ums Feuer worauf gekocht wurde, ass zu Abend, trank heissen Tee um sich zu wärmen und quatschte mit der Familie die da lebt und arbeitet und einigen Bergleuten. Super angenehme Atmosphäre wenn auch sau kalt. Zum Glück hatte ich meinen Schlafsack dabei, denn Warmwasser oder eine Heizung gibt es da oben nicht.
062b_0046 Colombia - Salento - Los Nevados
Am nächsten Morgen machte ich mich wieder auf den Abstieg. Es ist eine wunderschöne Landschaft und stundenlang traf ich auf keinen einzigen Touristen. Auch deshalb sah ich viele wilde Tiere, u.a. auch wilde Pferde.
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Ist beeindruckend wie die Temperatur innerhalb einiger Stunden von 3°C auf ca. 28°C ansteigen kann. Am Schluss kam ich noch an riesigen Palmenwäldern vorbei, welche bis 60m hoch sind, bevor ich dann gegen Abend wieder von einem „Willy“ ins Dorf gebracht wurde.
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19. September 2015 – Rundreise auf eigene Faust

Von „Medellin“, reiste ich mit dem Bus nach „Manizales“, eine Stadt in den Bergen in welcher man sich mit einer Gondelbahn fortbewegen kann.
061_0001 Colombia - Manizales
Von dort aus brach ich auf eine mehrtägige Rundreise auf eigene Faust in dieser Region auf. Zuerst fuhr ich nach „Santa Rosa de Cabal“ um zu Wandern und die schönen Thermalbäder mit integriertem riesigen Wasserfall zu geniessen.
061_0027 Colombia - Santa Rosa - Termals
Am nächsten Tag besuchte ich die traumhaft schöne „Hacienda Guayabal“, eine Kaffee-Farm und machte da eine Führung mit einem Guide nur für mich. Alles in Spanisch und ich habe erstaunlich viel verstanden. War super interessant und die Landschaft unglaublich schön.
061_0073 Colombia - Hacienda Guayabal
Dann fuhr ich mit dem Bus nach „Salamina“ ein kleines sehr nettes Dörfchen in den Bergen. Da sehen sie wohl nicht viel Touristen. Auf der Strasse starrten mich alle an und einige wollten natürlich auch wissen, was man hier mache.
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Am nächsten Tag ging es weiter nach „Aguades“ und dann nach „La Pintada“.
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Nur schon die Busfahrten sind ein Highlight. Über schlechte Schotterstrassen wackeln sie sich durch die wunderschöne Berglandschaft. Ich erkundete die Ortschaften und wanderte immer etwas in Gegend herum.
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Einen Tag später reiste ich mit dem „Escalero“, das ist ein uralter offener Ford-Bus, sehr farbig und auch super in unwegsamen Gelände. In den Städten wird dieser als Touristenattraktion in Form eines Partybusses genutzt. Hier auf dem Lande ist der „Escalero“ aber immer noch ein wichtiges Fortbewegungsmittel und noch nicht wegzudenken.
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In „Jerico“ angekommen informierte ich mich wann der „Escalero“ nach „Jardin“ fährt. Morgen früh um 7.00 und nur einmal täglich. Also musste ich spontan ein Hotel suchen und die Nacht dort verbringen.
061_0189 Colombia - Jerico
Das passiert des Öfteren wenn man auf eigene Faust unterwegs ist. Darum muss man immer ein paar Reserven Tage einrechnen. Auch als ich um 9.00 in „Jardin“ angekommen war erfuhr ich, dass der einzige „Escalero“ nach „Rio Sucio“ um 11.00 abfährt. Also erkundete ich kleine Städtchen umringt von grünen Hügeln und Wäldern in gerade mal zwei Stunden.
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Dann ging es wieder vier Stunden im Schüttelbecher über hohe Berge hinüber
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nach „Rio Sucio“ und von da mit einem normalen Bus in zwei Stunden zurück nach „Manizales“
Fazit: Super spontanes Abenteuer durch sensationell schöne Berglandschaft mit niedlichen Dörfchen und super netten Menschen. Habe in den meisten Ortschaften keinen einzigen Touristen gesehen. Super 🙂

14. September 2015 – Unterwegs… und doch zu Hause

Als ich eines Abends vom Balkon des Hostels in „Medellin“ auf die Strasse schaute, stand da ein riesiger Truck der zu einem Wohnmobil umfunktioniert wurde.
Und dieser hatte tatsächlich eine Schweizer Nummer. Also klopfte ich mal an und stellte mich dem älteren Ehepaar vor welche die Köpfe heraus streckten. Lisbeth und Leo aus dem Aargau.
Die Pensionierten waren schon seit zwei Jahren mit diesem riesen Gefährt, welches sie selbst umgebaut haben, in Südamerika unterwegs und hatten dementsprechend viel zu erzählen.
Auch eine sehr spezielle Art zu reisen. Es erinnerte mich ein wenig an meine fünf Monate auf dem Boot. Wir haben uns in den nächsten Tagen dann noch etwas besser kennen gelernt.
Ich wünsche Euch zwei auch weiterhin gute Fahrt und eine sichere, spannende Reise.

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13. September 2015 – Medellin

Nachdem ich noch einmal für ein Weekend nach „Cartagena“ fuhr um meine Freunde vom Hostel, Schule und Tanzschule zu sehen, reiste ich mit dem Bus über Nacht in 11 Stunden „Medellin“
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Die Stadt in der einst der berüchtigte, brutale Pablo Escobar regierte und den Drogenkrieg anführte, bis er 1992 von einer Elite Einheit erschossen wurde.
–> Pablo Escobar Wikipedia
Danach änderte sich die Stadt drastisch schnell, wurde sicher und für Touristen zugänglich. Trotzdem ist der Tourismus immer noch in den Kinderschuhen und es ist extrem interessant die Stadt zu besichtigen und die Geschichte zu erfahren.
Offiziell wird die Geschichte aber verdrängt, da sich die Einheimischen dafür schämen. Einerseits schade andererseits sehr verständlich, denn die Leute mit denen man spricht waren meist selbst dabei, sahen mit eigenen Augen wie jeden Tag Leute auf der Strasse erschossen wurden und jederzeit konnte jemand an die Tür klopfen einem eine Waffe unter die Nase halten und sagen: „Entweder ihr seid in zwei Minuten aus der Wohnung oder ihr seid alle Tod“.
In Anbetracht dessen kann man doch nachvollziehen, dass die Menschen da noch nicht bereit sind darüber zu reden. Das braucht Zeit.
Aber es ist unglaublich zu sehen wie sich die Leute aus der Asche der Escobar Ära erheben, sich die Stadt rasend schnell entwickelt und sehr sicher geworden ist. In den meisten Teilen des Landes gilt „Medellin“ als die interessanteste Stadt Kolumbiens. Das kann ich nur bestätigen.
–> Medellin Wikipedia
060_0017 Colombia - Medellin - La Esperanza
Neben einigen Erkundungstouren und der Free Walking Tour habe ich auch „Guatapé“ besucht. Eine kleine, nette Kolonialstadt mit dem riesigen Stein „Piedra de Peñol“ als Hauptattraktion.
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Als einer der grössten Steine der Welt, ragt er 220m aus dem Boden und ist über eine steile, in den Fels geschlagene Treppe mit 665 Stufen erklimmbar. Die Aussicht auf die künstlichen Seen rundherum ist einfach genial.
060_0068 Colombia - Penon de Guatapé
Und natürlich nicht zu vergessen, erkundete ich auch das Nachtleben, welches als eines der besten in Kolumbien gilt.

3. September 2015 – Wüste Guajira

Mein nächstes Ziel war der nördlichste Punkt von Kolumbien in der riesigen Wüste „Guajira“
Es werden unverschämt teure Touren dahin angeboten. Das war mir doch etwas zu viel. Ich beschloss auf eigene Faust dahin zu reisen was auch viel abenteuerlicher ist und jedes Mal interessante Erfahrungen mit sich bringt.
Morgens um 4.30 nahm ich also den ersten Bus ausserhalb von „Santa Marta“. Da musste ich mit dem Taxi hin, da es um diese Zeit sehr gefährlich ist in der Stadt. In „Quatro vias Maicao“ musste ich aussteigen. Das ist nur eine Strassenkreuzung neben einer Eisenbahnbrücke (eine der ganz wenigen in Kolumbien) und ein paar Essensstände. Da lernte ich ein sehr nettes holländisches Paar kennen und wir beschlossen den Trip gemeinsam zu machen. Von da fuhren wir mit einem „Colectivo“ in eine kleine verrückte Stadt namens „Uribia“ um da umzusteigen. War super zu sehen wie das Leben da auf der Strasse funktioniert. Komplett anders als ich es bisher in Kolumbien gesehen habe.
Mit einem 4WD Jeep setzten wir die Reise fort. Mit 80 km/h durch den Wüstensand am Strand entlang. Super cool die riesigen Sandflächen. Nach 2 Stunden kamen wir in „Cabo de la Vela“ an.
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Ausgestorben und verlottert wie eine Geisterstadt direkt am Strand. Habe selten so viel Sand gesehen. Da übernachteten wir in Hängematten mit traumhafter Sicht aufs Meer und einem perfekten Sonnenuntergang.
Am nächsten Morgen ging es um 4.30 weiter mit dem Jeep kreuz und quer durch die Wüste über Hügel und durch verschlammte Flüsse, so dass man des Öfteren fast stecken blieb. Ein richtiges Offroadabenteuer. Nicht zuletzt weil sich der Fahrer mehrere Male verfuhr in dieser riesigen Wüstenlandschaft.
Wenn wir jeweils durch die vertrockneten Wälder von wilden Gestrüpp fuhren, hatten immer wieder Kinder Seile über den Weg gespannt. Dann musste man sie mittels Brot bezahlen. Es war richtig schön die Freude in den strahlenden Augen der Kinder zu sehen, wenn man das Brot aus dem Fenster gab. Sie strahlten und winkten uns zu. Als wir endlich den Weg gefunden hatten (ca. 4 Stunden später), ging die Reise mit einem Boot weiter. Danach wurden wir auf der Brücke eines Pickups wie Kühe eingepfercht und wackelten so fünf Stunden durch das unwegsame Gelände der „Guajira“ unter der glühend heissen Sonne.
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Wir besichtigten den nördlichsten Punkt von Kolumbien „Punto Gallinas“, am Atlantik, die riesigen Sanddünen welche ca. 200m steil hinab ins Meer führten und einen der schönsten und speziellsten Aussichtspunkte den ich im ganzen Leben gesehen habe.
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Es war auch toll zu sehen wie die Menschen da leben in dieser Einöde, ohne Einfluss vom Tourismus. Einmal in der Woche muss mit den sieben Eseln Wasser geholt werden weil es da keines gibt und es ca. 40 Grad heiss ist. Unvorstellbar für uns da zu Leben.
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In der Nacht pennte man wieder in Hängematten und am nächsten Morgen ging es denselben Weg zurück bis spät am Abend nach „Santa Marta“
Das war doch sehr speziell. Am einen Tag bin ich noch ich feuchten Regenwald, am nächsten Tag in dieser extrem trockenen und heissen Wüste. Das geht glaube ich auch nur in Kolumbien.

31. August 2015 – Minca

Nach den 6 Tagen in der Wildnis brauche ich mal etwas Erholung. Dafür fuhr ich hinauf in die „Casa Elemento“ hoch über „Minca“ im Regenwald.
057_0032 Colombia - Minca - Casa Elemento
Abgeschnitten von der Zivilisation relaxte ich, schrieb Tagebuch und genoss das schöne Wetter und die Aussicht über „Santa Marta“ und den Regenwald, im Pool oder der riesigen Hängematte für 20 Personen 🙂
057_0009 Colombia - Minca - Casa Elemento
Nach ein paar Tagen ging es wieder runter nach „Santa Marta“ welches mir als Ausgangsort für meine Ausflüge an der Karibikküste diente.

26. August 2015 – Die verlorene Stadt

Nach 3 stündiger Wanderung, kam ich am Morgenfrüh aus dem „Tayrona National Park“ an der Strasse an, um direkt weiter zur „Ciudad Perdida“ zu reisen.

Die verlorene Stadt
„Ciudad Perdida“ oder „Lost City“, ist eine präkolumbianische Stadt der Tairona Ureinwohner, tief im Jungle von der „Sierra Nevada“. Errichtet wurde diese zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert und erst 1975 von Grabräubern wiederentdeckt. Zuerst für den Marihuana Anbau genutzt wurde sie später den Touristen zugänglich gemacht.
Sie kann nur durch einen Wanderweg durch den Jungle in einem 4-, 5- oder 6-Tages Marsch erreicht werden. Mein Ziel war es dieses Regenwaldabenteuer in 4 Tagen durchzuziehen.
056_0138 Colombia - Ciudad Perdida
Ich wurde also abgeholt vom Guide Miller. Super cooler Typ der sich extrem gut auskannte im Urwald und auch mit der ganzen Geschichte der Tairona. In meiner Gruppe waren noch zwei Engländer und eine Engländerin. Mit dem Geländejeep wurden wir in den Jungle gebracht und dann ging es zu Fuss weiter. Immer steil bergauf oder bergab mit hoher Luftfeuchtigkeit. Man war immer nass egal ob es regnete oder die Sonne schien. Wir durchquerten auch Flüsse mit dem Rucksack auf dem Kopf.
056_0090 Colombia - Ciudad Perdida
Übernachtet wurde in Cabañas oder Hängematten in kleinen offenen Hütten.
056_0165 Colombia - Ciudad Perdida - Tezumake

Da wurde auch super gekocht über dem Feuer. Strom gibt es da keinen. Man sitzt abends bei Kerzenschein zusammen und geht früh schlafen.
Jeden Tag badeten wir im Fluss und sprangen von hohen Felsen ins Wasser. Der höchste war ca. 10m hoch. Suuuuper 🙂
Nach zwei Tagen kamen wir im letzten Camp vor der Stadt an.
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Am nächsten Morgen ging es nach 1.5 Stunden Wandern eine sehr steile Steintreppe mit ca. 1200 Stufen hoch in die Verlorene Stadt.
Es hat schon etwas Mystisches und man fühlt sich wie Indiana Jones wenn man klatschnass nach einem Zweitagesmarsch oben ankommt, auf einer mit Moos überwachsenen ovalen Plattform wovon es ganze 200 gibt in der Verlorenen Stadt. Geschafft…
056_0129 Colombia - Ciudad Perdida
Es ist ein unglaublich schöner Anblick wenn man am obersten Punkt steht und den Blick über die riesigen, grünen Plattformen und den sich weit erstreckenden, dichten Regenwald schweifen lässt und sich vorstellt wie es wohl damals vor hunderten Jahren ausgehen hat und wie das Urvolk der Tairona ihre Hochzeiten und Rituale mit bis zu 8000 Menschen hier vollzogen hat.
Auch dank den sehr ausführlichen Schilderungen unseres coolen Guides „Miller“
Die Stadt wir streng vom Militär überwacht. Den 2004 wurde hier eine Touristengruppe von der Guerillagruppe ELN entführt und im tiefen, undurchdringlichen Jungle der Sierra Nevada als Geiseln gehalten. Ein Brite konnte früh fliehen. Eine Deutsche wurde aufgrund Verhandlungen nach 74 Tagen und der Rest nach 101 Tagen freigelassen. Einige von Ihnen wiesen das Stockholm Syndrom auf. –> Entführungsfall ENL Wikipedia

Heute ist die „Ciudad Perdida“ aufgrund der ständigen Militärpräsenz und der politischen Lage, komplett sicher. Also keine Sorge 🙂
Nach dieser wunderschönen, abenteuerlichen und schon fast spirituellen Erfahrung, traten wir den zweitägigen Rückweg an.
Gegen Ende wurde es ganz schön hart. Da ich ja direkt aus dem „Tayrona National Park“ kam war ich nun schon sechs Tage mit meinem kleinen Rucksack in der Wildnis unterwegs. Jeden Tag viele Kilometer zu Fuss. Das machte sich nun in Form von Blasen und einer Achillessehnenentzündung bemerkbar. Ich war richtig froh wieder in der Zivilisation zu sein und keine Wanderschuhe mehr tragen zu müssen. Obwohl die Tour ziemlich teuer war gehört diese zu den Top Abenteuern meines Lebens. Das war eine unglaublich schöne, interessante und strenge Erfahrung.
056_0031 Colombia - Ciudad Perdida

Jetzt brauche mal etwas Pause…

Ciudad Perdida Wikipedia

23. August 2015 – Tayrona Park

Nach „Taganga“ besuchte ich mit Freunden den sehr schönen Strand von “Palomino” für einen Tag um etwas zu relaxen.
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Danach fuhr ich zum „Tayrona National Park“. Ein riesiges Jungle-Gebiet an der Karibikküste.
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Dort leben noch immer einige Tairona Ureinwohner.
055_0051 Colombia - Tyrona National Park - Pueblito
Dichter Jungle, wunderschöne Strände, steile Wanderwege und schlafen draussen in der Hängematte. Ich bin jeweils einen halben Tag gewandert und habe den anderen halben Tag am Strand verrelaxt und abends bei einigen Biers witzige Gespräche geführt.
Am dritten Tag. Verliess ich das Camp morgens um 6.00. Da es Sonntagmorgen war, hatte ich den Jungle ganz für mich alleine. Bei der 3 stündigen Wanderung steil den Hügel hoch, durch den Jungle, sah ich sehr viele Tiere, welche man normalerweise tagsüber nicht sieht, da zu viele Touris unterwegs sind.
Um ca. 9.00 erreichte ich dann die Strasse und wartete, dass mich ein Transport abholt. Ich fuhr direkt weiter zum „Ciudad Perdida Trail“, einer viertägigen Wanderung zur verlorenen Stadt der Tairona.

18. August 2015 – Scubadiving in Taganga

Der Lonely Planet 2014 schwärmte noch in den höchsten Tönen von „Taganga“.
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Kleines Fischerdorf, Tauchparadies, komplett sicher und freundlich.
Da hatte ich aber sehr viel negativere Informationen von anderen Reisenden gekriegt. Es soll äusserst gefährlich sein bei Nacht und viele Überfälle geben.
Selbst hatte ich auch mit diversen Leuten gesprochen die Überfallen aber nie verletzt wurden. Es ging natürlich immer nur ums Geld.
Nichts desto trotz wollte ich da tauchen gehen. Und wenn man weiss, dass es gefährlich ist, kann man sich darauf einstellen und sich dementsprechend verhalten.
Passiert ist mir nichts. Sicher auch weil ich sehr vorsichtig war.

PS: Und tatsächlich schreibt der Lonely Planet 2015 auch schon, dass man Taganga unbedingt meiden soll.

Das tauchen ist da super günstig. Einer billigsten Tauchorte der Welt.
Ich habe mir die beste Tauchschule (Scuba Master) gesucht mit Top Equipment und sehr professionellen Divemastern und absolvierte 4 Tauchgänge für nur gerade mal 80$ inkl. Snacks, Getränk und Fotos. Da kann man mal nicht meckern.
Das Tauchen war ganz OK. Waren jetzt nicht die besten Tauchspots der Welt aber ich habe viel gesehen und Spass gehabt.
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16. August 2015 – Cartagena

Die letzten 3 Wochen in Cartagena waren einfach der Hammer.

Sprachschule, Tanzunterricht und viel Fiesta.
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Das Historische Zentrum der Stadt ist extrem schön und ziemlich gross, allerdings auch sehr touristisch und teuer. Deshalb habe ich anstatt bei einer unverschämt teuren Gastfamilie (30$/Nacht) im billigsten Hostel (6.50$/Nacht) im 12er Dorm gelebt und immer selber gekocht.
So konnte ich ziemlich viel sparen. Trotz des niedrigen Preises war das „Chill House“ perfekt für mich.
Es liegt mitten im Historischen Zentrum nur 3 Gehminuten von meiner Sprachschule entfernt (Folglich konnte ich, wenn die Schule um 9.00 startete, mich um 8.50 aus dem Bett zwingen, so vergeudete ich keine Zeit :-))
Die Mädels die da arbeiten sind super. Sie waren in der Zeit wie eine Gastfamilie für mich.
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Mileth, Lenis, Adri und zu guter Letzt Sofia die Putzfrau welche ich in „Mama Nemo Sofia“ umgetauft hatte, da sie ein bisschen wie Nemo aussieht 🙂 Sie war sozusagen meine Gastmutter und hat mich am Schluss sogar adoptiert. Hehe
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Die Schule „Centro Catalina Language School“ ist super organisiert und hat sehr professionelle und kompetente Lehrer, ist angenehm klein und wird natürlich von vielen Schweizern besucht 🙂
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Aber ich muss wirklich sagen, ich habe ganz tolle, aufgestellte und interessante Menschen kennengelernt in der Schule. Dazu gehören auch meine beiden Lehrerinnen Linet und Karen
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Unterricht war immer von 9.00 bis 12.40 und ich war jede einzelne Stunde anwesend (physisch auf jeden Fall :-))
Am Nachmittag und/oder Abend besuchte ich die „Salsa Explosion Latina“ Tanzschule und lernte da Salsa, Bachata und ein bisschen Rumba. Hat mir super gut gefallen und bei der Hitze da geht das auch schon fast unter Spitzensport 🙂
Und wie es sich in Kolumbien gehört waren meine beiden Tanzlehrer Graciela und Jhon mit Leib und Seele bei der Sache.
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Leider habe ich kein Foto von Jhon (aber das stört euch Jungs ja sicher nicht. Haha)
Und nicht zu vergessen das grossartige Nachtleben von „Cartagena“. Man kann sich jeden Abend vergnügen ob auf der Strasse oder in den unzähligen Bars oder Clubs. Einfach grandios.
Ich hatte eine geniale Zeit und als ich heute „Cartagena“ verliess war ich schon ziemlich traurig.
Vielen Dank all den Menschen welche die letzten drei Wochen für mich perfekt gemacht haben.